Forschung

Forschung 2

Schwerpunkte

Der Kernbereich der Forschungsaktivitäten des Kompetenzzentrums umfasst die technologische, ökonomische, gesellschaftliche und rechtliche Bewältigung von Fragen, die mit den neuen Informationstechnologien im Zusammenhang stehen. Schwerpunktmässig bearbeitet das ITSL gegenwärtig folgende Forschungsprojekte:

Grundlagen des Rechts auf Privatsphäre

Die Entwicklungen der Informations- und Telekommunikationstechnik ermöglichen heute die massenhafte Erfassung und Auswertung von Personendaten. In den Mittelpunkt rückt dadurch das Recht auf Privatsphäre. Die Konturen dieses Rechts auf Privatsphäre sind aber relativ unscharf geblieben, obwohl seine Wurzeln bis zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) ins Jahr 1948 zurückreichen. Das Forschungsprojekt arbeitet die Grundlagen des Rechts auf Privatsphäre auf und untersucht, wie das moderne Datenschutzrecht daran ansetzt.

Eigentum an Daten

Die Zunahme datengetriebener Geschäftsmodelle und der damit zusammenhängende Bedeutungs- und Wertgewinn von Daten hat die Frage in den Vordergrund gerückt, ob Daten jemandem gehören und, wenn ja, wem. Obwohl das Thema bereits auf der politischen Tagesordnung steht, sind zentrale rechtliche Fragen bislang offen oder nur kursorisch beantwortet worden. In einem von der Hasler Stiftung finanzierten einjährigen Forschungsprojekt werden diese grundlegenden Fragen in Bezug auf ein mögliches Ausschliesslichkeitsrecht an Daten erörtert: Wie liesse sich ein solches Recht begründen? Wie hätte es auszusehen? Wie müsste das Recht beschränkt und wie könnte es implementiert werden?

Im Rahmen dieses Projektes fand am 29. März 2017 eine öffentliche Veranstaltung statt. Zudem hat das ITSL vom 6. bis zum 8. Juli 2017 einen vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten internationalen Expertenworkshop mit Rechtswissenschaftlern und Informatikern durchgeführt. Eine Zusammenfassung des Workshops findet sich hier (PDF, 223 KB).

 International Exploratory Workshop
Zoom (JPG, 1383 KB)
International Exploratory Workshop, 07/2017, Schaffhausen
06.-08.07.2017
Zoom (JPG, 1750 KB)
 
International Exploratory Workshop, 07/2017, Schaffhausen

Zwischen Solidarität und Personalisierung - Big Data im Versicherungswesen

Unternehmen der Versicherungsbranche haben ein grosses Interesse an Big Data-Anwendungen. Mittels profiling, predictive analytics oder quantified self-Anwendungen lassen sich Risiken der Versicherungsnehmer viel genauer eingrenzen. Andererseits gründen Versicherungssysteme moralisch auf dem Prinzip der Solidarität; individuelle Risiken sollen auf eine grössere Gruppe verteilt werden. Diesen für die Herausforderungen der Digitalisierung paradigmatischen Zielkonflikt untersucht ein vom Nationalen Forschungsschwerpunkt NFP 75 – Big Data gefördertes Projekt, an dem das ITSL beteiligt ist. Das Projekt verbindet interdisziplinär Forschende aus Ethik, Wirtschaftswissenschaft und Recht.

Rethink Privacy! Towards a Harms-Focused Governance of Digital Traces

Der Schutz der Privatsphäre ist entscheidend für das individuelle und soziale Wohlbefinden. In der digitalen Welt hinterlassen wir – wissentlich oder unwissentlich – unzählige Datenspuren. Die heutigen allgegenwärtigen Datenverarbeitungspraktiken von Unternehmen und Behörden setzen an diesen Datenspuren an und können so auf vielfältige Weise unsere Privatsphäre beeinträchtigen.

Das Forschungsprojekt „Rethink Privacy!“ setzt sich vertieft mit den Gefahren dieser Datenverarbeitungspraktiken für den Einzelnen und die Gesellschaft auseinander. Um sicherzustellen, dass die Verarbeitung von Datenspuren letztlich dem Einzelnen und der Gesellschaft zugutekommt, wollen wir bestehende Konzepte zum Schutz der Privatsphäre neu überdenken. Dies geschieht aus vier verschiedenen Perspektiven: Jener der Philosophie, der Kommunikationswissenschaft, des Rechts und der Technik.

Das Forschungsprojekt ist in drei Teile gegliedert: Im ersten Teil – „Deconstructing Privacy“ werden Definitionen und Wahrnehmungen untersucht, welche mit dem Begriff „Privatsphäre“ verknüpft sind. Ebenfalls analysiert werden die bestehenden Mechanismen zu deren Schutz. Darauf aufbauend geht der zweite Teil – „Reshaping Privacy“ - von der Annahme aus, dass die Verarbeitung von Datenspuren für den Einzelnen und die Gesellschaft sowohl nützlich als auch schädlich sein kann, dass aber die derzeitigen regulatorischen und technischen Versuche, Schäden („harms“) zu vermeiden, nicht überzeugen. Wir untersuchen exemplarisch drei (potenzielle) Schäden der Verarbeitung von Datenspuren im Detail: Manipulation, Diskriminierung und Abschreckungseffekte (sog. „Chilling Effects“). Durch die Analyse dieser konkreten Schäden entwickeln wir ein besseres Verständnis dafür, wie Einzelpersonen, Gruppen und die Gesellschaft insgesamt durch die Bearbeitung von Datenspuren betroffen sind. Im dritten Teil – „Governing Privacy“ – erarbeiten alle Disziplinen gemeinsam Regeln, die darauf abzielen, Schäden zu minimieren, welche durch die Verarbeitung von Datenspuren verursachten werden und gleichzeitig die Vorteile dieser Verarbeitungspraktiken zu nutzen.

"Breakfast of Ideas" für Doktorierende und Post-Doktorierende

Das "Breakfast of Ideas" ("Frühstück der Ideen") ist eine Peer-Mentoring-Gruppe für angehende Forscher, die ein transdiszipliänres Verständnis von Fragen und Herausforderungen der Digitalisierung der Gesellschaft fördern will. Das "Breakfast of Ideas" dankt dem Graduate Campus der Universität Zürich für die grosszügige Finanzierung dieser Veranstaltung. 

Vier mal jährlich treffen sich sich Doktoranden und Post-Doktoranden aus verschiedenen Abteilungen der UZH zum Frühstück und tauschen sich in einem informellen Rahmen aus. Dies ermöglicht es Nachwuchsforschern Erkenntnisse der Informatik, Wirtschaft-, Rechts- und Geisteswissenschaften von Anfang an in ihre Forschung zu integrieren und soll fakultätsübergreifende Kollaborationen fördern. Die Frühstücksessions werden aufgezeichnet und in einem Podcast veröffentlicht, um die Ideen der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Die Podcasts werden hier veröffentlicht.

Für weitere Informationen stehen Aurelia Tamò-Larrieux und Damian George zur Auskunft bereit.

Künftige Veranstaltungen: 28. März, 26. Juni und 26. September @ UZH, Rämistrasse 71 in KOL G-210 von 8:15 bis 10 Uhr.

BoI
Breakfast of Ideas, 01/2019, UZH
06.-08.07.2017
Breakfast of Ideas, 01/2019, UZH

Forschungsgruppe Künstliche Intelligenz (Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung)

Im Auftrag der Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss) führt das ITSL zusammen mit anderen Forschenden aus der Schweiz und Österreich eine interdisziplinäre Studie über die Risiken und Chancen der Künstlichen Intelligenz (KI) durch. Die Forschungsgruppe besteht aus Forschern aus den Bereichen Informatik, Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaft, Erziehungswissenschaften, Kommunikationswissenschaften, Recht und Ethik. Das Hauptziel der Studie ist es, die politischen Entscheidungsträger in die Lage zu versetzen, fundierte Entscheidungen in Bezug auf die KI zu treffen. Die interdisziplinäre Studie bewertet die Auswirkungen von KI die vier Bereiche der Arbeitswelt, der Bildung, des Konsums und der Verwaltung. Ein Schwerpunkt liegt auf Deep-Learning-Algorithmen. Die Studiengruppe hat eine Literaturrecherche abgeschlossen; derzeit läuft eine Befragung, in welcher Expertenmeinungen zu Trends und Herausforderungen in den vier Bereichen ausgewertet werden. Basierend auf der Expertenbefragung wird die Studie eine Reihe von politischen Empfehlungen und Handlungsoptionen liefern.

Automatisierte Entscheidungen

Der technische Fortschritt – insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) bzw. des maschinellen Lernens – führt dazu, dass in immer mehr Bereichen des täglichen Lebens automatisierte Entscheidungen gefällt werden. Weil es letztlich Algorithmen sind, die anhand bestimmter entscheidungsrelevanter Parameter ein Resultat vermitteln, ist nicht nur von „automatisierten“, sondern auch von „algorithmischen“ Entscheidungen bzw. Einzelentscheidungen die Rede.

Auch die Gesetzgeber sind auf die Automatisierung des Alltags und die damit einhergehende Delegation gewisser Entscheidungen von Menschen an Maschinen aufmerksam worden. So adressiert seit Mai 2018 die in der Europäischen Union geltende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in einigen Bestimmungen und Erwägungen dieses Phänomen. Trotz dieser bereits bestehenden Ansätze, steht die Forschung zur Frage, wie grundsätzlich aus rechtlicher und regulatorischer Sicht mit automatisierten Entscheidungen umgegangen werden soll, noch am Anfang.

In diesem Forschungsprojekt untersucht das ITSL einerseits die Natur und Charakteristika automatisierter Entscheidungen und prüft andererseits den Bedarf nach und die Ausgestaltung einer allfälligen Regulierung. Das Zusammenführen dieser beiden komplementären Teile ermöglicht Antworten auf die zentrale Forschungsfrage, wie aus rechtlicher und regulatorischer Sicht mit automatisierten Entscheidungen umzugehen ist.