Forschungsprojekte

Forschung 2

Im Rahmen seiner Schwerpunkte bearbeitet das ITSL eine Reihe von Forschungsprojekten.

 

Laufende Forschungsprojekte:

Datenschutz und Forschung

Angetrieben von Durchbrüchen in der Datenverarbeitung wurden im Bereich der datenintensiven Forschung in den vergangenen Jahren grosse Fortschritte erzielt. Bei den Daten, die für diese Art von Forschung notwendig sind, handelt es sich regel-mässig um Personendaten im Sinn des Datenschutzrechts. Dies gilt umso mehr, als der Begriff der Personendaten als Folge der technischen Entwicklung in der Praxis der Gerichts- und Verwaltungsbehörden laufend ausgedehnt worden ist. Unzählige Forschungsprojekte müssen deshalb sicherstellen, dass die Vorgaben des Daten-schutzrechts eingehalten werden.

Die Konzepte und Ansätze des geltenden europäischen und schweizerischen Datenschutzrechts wurden allerdings lange vor dem Aufkommen der neuen, datengetriebenen Forschungsansätze entwickelt. Entsprechend fehlt in diesen Datenschutzgesetzen ein strukturierter Umgang mit den Herausforderungen datenbasierter Forschung und es wird teilweise davon ausgegangen, dass sich die Probleme durch einfache Mittel (Anonymisierung oder Publikation von Ergebnissen in anonymisierter Form) lösen lassen. Dies ist heute aber kaum noch der Fall. Dies sorgt bei vielen Forschenden für Unsicherheit darüber, welche Forschungsarbeiten unter welchen Voraussetzungen zulässig sind. Dies kann zwar im Einzelfall durchaus beantwortet werden; die Rechtsunsicherheit ist aber (auch für spezialisierte Juristen) erheblich. Weitgehend ungeklärt ist namentlich, wie die Interessen innerhalb des datenschutzrechtlichen Normensystems ausgeglichen werden sollen, insb. das Erkenntnisinteresse der Allgemeinheit und die Interessen der betroffenen Individuen am Schutz ihrer Privatsphäre und/oder an der «informationellen Selbstbestimmung». Diese Interessenabwägung spiegelt sich auch in einer Grundrechtskollision, namentlich zwischen der Wissenschaftsfreiheit (Art. 20 BV) und dem Schutz von persönlicher Freiheit und Privatsphäre (Art. 10 und 13 BV).

Die Rechtsunsicherheit schafft die Gefahr, dass vielversprechende Forschungs-projekte nicht durchgeführt werden oder sich Verzögerungen oder hohe Kosten ergeben. Dies liesse sich bei einer hinreichend klaren Rechtslage weitgehend vermeiden. Hinzu kommt die derzeit vielzitierte Gefahr, dass Europa in Forschung und Entwicklung wegen der strengen Vorgaben im Datenschutzrecht gegenüber den USA und China zurückfällt.

Vor diesem Hintergrund macht das ITSL das Thema «Datenschutz und Forschung» im laufenden Jahr (und teilweise auch darüber hinaus) zu einem Forschungs-schwerpunkt. Ziel ist es, in der Schweiz und darüber hinaus massgebliche Beiträge zur Frage zu leisten, wie das Datenschutzrecht ausgelegt und angewendet werden kann, um Forschung weitgehend zu ermöglichen – ohne dabei die schützenswerten Interessen der betroffenen Personen zu gefährden.

Rethink Privacy! Towards a Harms-Focused Governance of Digital Traces

Der Schutz der Privatsphäre ist entscheidend für das individuelle und soziale Wohlbefinden. In der digitalen Welt hinterlassen wir – wissentlich oder unwissentlich – unzählige Datenspuren. Die heutigen allgegenwärtigen Datenverarbeitungspraktiken von Unternehmen und Behörden setzen an diesen Datenspuren an und können so auf vielfältige Weise unsere Privatsphäre beeinträchtigen.

Das Forschungsprojekt „Rethink Privacy!“ setzt sich vertieft mit den Gefahren dieser Datenverarbeitungspraktiken für den Einzelnen und die Gesellschaft auseinander. Um sicherzustellen, dass die Verarbeitung von Datenspuren letztlich dem Einzelnen und der Gesellschaft zugutekommt, wollen wir bestehende Konzepte zum Schutz der Privatsphäre neu überdenken. Dies geschieht aus vier verschiedenen Perspektiven: Jener der Philosophie, der Kommunikationswissenschaft, des Rechts und der Technik.

Das Forschungsprojekt ist in drei Teile gegliedert: Im ersten Teil – „Deconstructing Privacy“ werden Definitionen und Wahrnehmungen untersucht, welche mit dem Begriff „Privatsphäre“ verknüpft sind. Ebenfalls analysiert werden die bestehenden Mechanismen zu deren Schutz. Darauf aufbauend geht der zweite Teil – „Reshaping Privacy“ - von der Annahme aus, dass die Verarbeitung von Datenspuren für den Einzelnen und die Gesellschaft sowohl nützlich als auch schädlich sein kann, dass aber die derzeitigen regulatorischen und technischen Versuche, Schäden („harms“) zu vermeiden, nicht überzeugen. Wir untersuchen exemplarisch drei (potenzielle) Schäden der Verarbeitung von Datenspuren im Detail: Manipulation, Diskriminierung und Abschreckungseffekte (sog. „Chilling Effects“). Durch die Analyse dieser konkreten Schäden entwickeln wir ein besseres Verständnis dafür, wie Einzelpersonen, Gruppen und die Gesellschaft insgesamt durch die Bearbeitung von Datenspuren betroffen sind. Im dritten Teil – „Governing Privacy“ – erarbeiten alle Disziplinen gemeinsam Regeln, die darauf abzielen, Schäden zu minimieren, welche durch die Verarbeitung von Datenspuren verursachten werden und gleichzeitig die Vorteile dieser Verarbeitungspraktiken zu nutzen.

"Breakfast of Ideas" für Doktorierende und Post-Doktorierende

Das "Breakfast of Ideas" ("Frühstück der Ideen") ist eine Peer-Mentoring-Gruppe für angehende Forscher, die ein transdiszipliänres Verständnis von Fragen und Herausforderungen der Digitalisierung der Gesellschaft fördern will. Das "Breakfast of Ideas" dankt dem Graduate Campus der Universität Zürich für die grosszügige Finanzierung dieser Veranstaltung. 

Vier mal jährlich treffen sich sich Doktoranden und Post-Doktoranden aus verschiedenen Abteilungen der UZH zum Frühstück und tauschen sich in einem informellen Rahmen aus. Dies ermöglicht es Nachwuchsforschern Erkenntnisse der Informatik, Wirtschaft-, Rechts- und Geisteswissenschaften von Anfang an in ihre Forschung zu integrieren und soll fakultätsübergreifende Kollaborationen fördern. Die Frühstücksessions werden aufgezeichnet und in einem Podcast veröffentlicht, um die Ideen der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Die Podcasts werden hier veröffentlicht.

Für weitere Informationen steht Aurelia Tamò-Larrieux zur Auskunft bereit.

Künftige Veranstaltungen: 2. Juni 2020 um 09:00 Uhr, online. Anmeldungen per E-mail an Aurelia Tamò-Larrieux

BoI
Breakfast of Ideas, 01/2019, UZH
06.-08.07.2017
Breakfast of Ideas, 01/2019, UZH

 

Abgeschlossene Forschungsprojekte:

Automatisierte Entscheidungen

Der technische Fortschritt – insbesondere im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) bzw. des maschinellen Lernens – führt dazu, dass in immer mehr Bereichen des täglichen Lebens automatisierte Entscheidungen gefällt werden. Weil es letztlich Algorithmen sind, die anhand bestimmter entscheidungsrelevanter Parameter ein Resultat vermitteln, ist nicht nur von „automatisierten“, sondern auch von „algorithmischen“ Entscheidungen bzw. Einzelentscheidungen die Rede.

Auch die Gesetzgeber sind auf die Automatisierung des Alltags und die damit einhergehende Delegation gewisser Entscheidungen von Menschen an Maschinen aufmerksam worden. So adressiert seit Mai 2018 die in der Europäischen Union geltende Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) in einigen Bestimmungen und Erwägungen dieses Phänomen. Trotz dieser bereits bestehenden Ansätze, steht die Forschung zur Frage, wie grundsätzlich aus rechtlicher und regulatorischer Sicht mit automatisierten Entscheidungen umgegangen werden soll, noch am Anfang.

In diesem von der Hasler Stiftung finanzierten Forschungsprojekt untersucht das ITSL einerseits die Natur und Charakteristika automatisierter Entscheidungen und prüft andererseits den Bedarf nach und die Ausgestaltung einer allfälligen Regulierung. Das Zusammenführen dieser beiden komplementären Teile ermöglicht Antworten auf die zentrale Forschungsfrage, wie aus rechtlicher und regulatorischer Sicht mit automatisierten Entscheidungen umzugehen ist.

Im Rahmen dieses Projektes fand am 13. November 2019 eine öffentliche Veranstaltung statt. Einzelne Beiträge dieser Veranstaltung wurden in erweiterter Form Anfang 2020 in der Schweizerischen Zeitschrift für Wirtschafts- und Finanzmarktrecht veröffentlicht. Zudem hat das ITSL vom 12. bis zum 14. September 2019 einen vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten internationalen Expertenworkshop mit Rechts- und Kommunikationswissenschaftlern sowie Informatikern durchgeführt. Eine Zusammenfassung des Workshops findet sich hier (PDF, 440 KB)

 International Expert Workshop
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International Expert Workshop, 09/2019, Lavin
 International Expert Workshop
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International Expert Workshop, 09/2019, Lavin
 International Expert Workshop
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International Expert Workshop, 09/2019, Lavin
 International Expert Workshop
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International Expert Workshop, 09/2019, Lavin

Forschungsgruppe Künstliche Intelligenz (Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung)

Im Auftrag der Stiftung für Technologiefolgen-Abschätzung (TA-Swiss) führte das ITSL zusammen mit anderen Forschenden aus der Schweiz und Österreich eine interdisziplinäre Studie über die Risiken und Chancen der Künstlichen Intelligenz (KI) durch. Die Forschungsgruppe bestand aus Forschern aus den Bereichen Informatik, Betriebswirtschaftslehre, Wirtschaft, Erziehungswissenschaften, Kommunikationswissenschaften, Recht und Ethik. Hauptziel der Studie war es, die politischen Entscheidungsträger in die Lage zu versetzen, fundierte Entscheidungen in Bezug auf die KI zu treffen. Die interdisziplinäre Studie bewertet die Auswirkungen von KI die vier Bereiche der Arbeitswelt, der Bildung, des Konsums und der Verwaltung. Ein Schwerpunkt liegt auf Deep-Learning-Algorithmen. Die Studie ist im April unter dem Titel «Wenn Algorithmen für uns entscheiden: Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz» erschienen, wurde an einer online-Medienkonferenz vorgestellt und ist hier erhältlich.

Grundlagen des Rechts auf Privatsphäre

Die Entwicklungen der Informations- und Telekommunikationstechnik ermöglichen heute die massenhafte Erfassung und Auswertung von Personendaten. In den Mittelpunkt rückt dadurch das Recht auf Privatsphäre. Die Konturen dieses Rechts auf Privatsphäre sind aber relativ unscharf geblieben, obwohl seine Wurzeln bis zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (AEMR) ins Jahr 1948 zurückreichen. Das Forschungsprojekt arbeitet die Grundlagen des Rechts auf Privatsphäre auf und untersucht, wie das moderne Datenschutzrecht daran ansetzt.

Zwischen Solidarität und Personalisierung - Big Data im Versicherungswesen

Unternehmen der Versicherungsbranche haben ein grosses Interesse an Big Data-Anwendungen. Mittels profiling, predictive analytics oder quantified self-Anwendungen lassen sich Risiken der Versicherungsnehmer viel genauer eingrenzen. Andererseits gründen Versicherungssysteme moralisch auf dem Prinzip der Solidarität; individuelle Risiken sollen auf eine grössere Gruppe verteilt werden. Diesen für die Herausforderungen der Digitalisierung paradigmatischen Zielkonflikt hat ein vom Nationalen Forschungsschwerpunkt NFP 75 – Big Data gefördertes Projekt untersucht, an dem das ITSL beteiligt war. Das Projekt verband interdisziplinär Forschende aus Ethik, Wirtschaftswissenschaft und Recht. Die Ergebnisse dieser Forschung sind hier publiziert

Eigentum an Daten

Die Zunahme datengetriebener Geschäftsmodelle und der damit zusammenhängende Bedeutungs- und Wertgewinn von Daten hat die Frage in den Vordergrund gerückt, ob Daten jemandem gehören und, wenn ja, wem. Obwohl das Thema bereits auf der politischen Tagesordnung steht, sind zentrale rechtliche Fragen bislang offen oder nur kursorisch beantwortet worden. In einem von der Hasler Stiftung finanzierten einjährigen Forschungsprojekt werden diese grundlegenden Fragen in Bezug auf ein mögliches Ausschliesslichkeitsrecht an Daten erörtert: Wie liesse sich ein solches Recht begründen? Wie hätte es auszusehen? Wie müsste das Recht beschränkt und wie könnte es implementiert werden?

Im Rahmen dieses Projektes fand am 29. März 2017 eine öffentliche Veranstaltung statt. Zudem hat das ITSL vom 6. bis zum 8. Juli 2017 einen vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) geförderten internationalen Expertenworkshop mit Rechtswissenschaftlern und Informatikern durchgeführt. Eine Zusammenfassung des Workshops findet sich hier (PDF, 223 KB).

 International Exploratory Workshop
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International Exploratory Workshop, 07/2017, Schaffhausen
06.-08.07.2017
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International Exploratory Workshop, 07/2017, Schaffhausen